Attraktivität?
Flexibilität?
Wertschätzung?

Antworten für Hessens Lehrkräfte

Pressemitteilung des dlh vom 12.04.2024: Arbeitsbelastungen bei Lehrkräften reduzieren und fokussieren!

Anlässlich des Wiederbeginns des Unterrichts in Hessen am kommenden Montag nach drei Wochen Osterferien konstatiert der Vorsitzende des Deutschen Lehrer-verbandes Hessen (dlh), Boris Krüger: „Endlich einmal hatten die Kolleginnen und Kollegen in diesen Ferien die reelle Chance, sich wirklich zu erholen. Doch dieser Erholungseffekt wird leider schon sehr bald wieder verpufft sein.“

Ursächlich hierfür sind die Belastungen und Anforderungen für Lehrkräfte, welche in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen haben. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo vorantreiben, Lernrückstände aus der Corona-Pandemie aufholen und eine steigende Zahl von Geflüchteten in die Schulen integrieren. Zudem hat sich das Verhalten der Schülerinnen und Schüler seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich verändert: Es ist eine deutliche Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen zu verzeichnen, verbunden mit aggressivem Verhalten sowie zahlreichen psychischen Problemen. Verschärft wird dies alles durch den stetig steigenden Lehrkräftemangel.

Mehrere Umfragen zeigen alarmierende Folgewirkungen für die Lehrkräfte. Die Mehrheit von ihnen empfindet sich selbst und ihre Kollegien derzeit als stark oder sehr stark belastet. Für mehr als drei Viertel ist Wochenendarbeit zur Regel geworden. Über die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer leidet häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Fast 50% kämpfen mit innerer Unruhe und Nackenschmerzen, während ein Drittel unter Schlafstörungen leidet. Mehr als jede zehnte Lehrkraft erwägt, weniger zu arbeiten. Denn neben dem Kerngeschäft „Unterricht“ gibt es im Alltag täglich eine Fülle an zeitintensiven Aufgaben, die mit Pädagogik und Didaktik wenig zu tun haben und viel mehr unter die Rubriken „Bürokratie“ und „Zusatzbelastung“ fallen.

Boris Krüger fordert daher: „Die Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler muss wichtiger sein als das strikte Erfüllen der Lehrpläne. Und die Tätigkeit der Lehrkräfte muss endlich auf das Wesentliche fokussiert werden, nämlich auf das Unterrichten. Alle anderen Aufgaben müssen entweder adäquat mit Stunden entlastet oder von externem Personal übernommen werden.“

Mail:            Mobil: 0151 42341192

Kassel, den 12.04.2024

 

Pressemitteilung als pdf-Download:

2024_04_12 Pressemitteilung Arbeitsbelastung

Wir bleiben dran und zeigen dem Elefanten, wo die Tür ist!

Wir wollen was bewegen, denn wir haben was gegen den #elefantimraum ! 🐘

Zeigen wir ihm gemeinsam, wo die Tür ist.
Unterstützt uns und macht am 14./15. Mai 2024 euer Kreuz beim dlh! ❌🗳️

#wirfüreuch #dlh #deutscherlehrerverbandhessen #glb #hphv #vdl_hessen #gemeinsam_differenziert_lösungsorientiert #personalratswahlen2024hessen #personalvertretung

Digitalisierung professionell weiterentwickeln!

Digitale Weiterentwicklung statt Sparmodell

Vor nur vier Jahren war es noch üblich, dass Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte mit in die Schule brachten, da eine flächendeckende digitale Infrastruktur fehlte.

Haben wir uns seitdem wirklich digital weiterentwickelt? Mitnichten!

Zwar gibt es mittlerweile geliehene Endgeräte und WLAN an Schulen, jedoch nicht für alle verfügbar, oft veraltet und instabil.

Um die Digitalisierung im Bildungsbereich professionell voranzutreiben, muss weiterhin an der Ausstattung sowohl der Lehrkräfte als auch der Schülerinnen und Schüler gearbeitet werden.

Es ist entscheidend, dass die Digitalisierung in Schulen nicht als Sparmodell betrachtet wird. Sie darf auch nicht von der finanziellen Situation der oftmals klammen Schulträger oder Eltern abhängen.

Außerdem benötigen Lehrkräfte nach wie vor einen professionelle IT-Support, denn die wenigsten haben Zeit und Muße für ein IT-Selbststudium. Schließlich ist auch die Hauptaufgabe des pädagogischen Personals das pädagogische (und didaktische) Arbeiten – und dafür fehlt schon oft genug die notwendige Zeit.

Es ist wichtig, dass alle Beteiligten Zugang zu modernen Technologien haben, um zeitgemäßes Lernen zu ermöglichen. Nur so können Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der digitalen Welt vorbereitet werden. Die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur an Schulen sollte daher eine Priorität sein, um Chancengleichheit im Bildungssystem sicherzustellen. Es ist an der Zeit, die Digitalisierung in Schulen ernsthaft anzugehen und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, damit Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von den Vorteilen moderner Technologien profitieren können.

Wir fordern deshalb:

  • Schulformgerechte Versorgung mit Endgeräten und nicht „Eins für alle“, denn so unterschiedlich, wie die Schulformen sind, so verschieden sind auch die Ansprüche an eine Ausstattung mit Hard- und Software!
  • Professioneller IT-Support für alle Schulformen!
  • Unterrichtsbegleitende digitale Fortbildungen!
  • Endgeräte für Schülerinnen und Schüler in ausreichender Menge, damit nicht der Geldbeutel der Eltern über das digitale Lernen entscheidet!

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Kerstin Mück

Besoldungsentwicklung für alle!

Mehr Geld für gute Arbeit

Seit ca. 10 Jahren ist die Besoldung der Beamtinnen und Beamten im Land Hessen mittlerweile verfassungswidrig. Dass die Frage einer verfassungskonformen Bezahlung überhaupt vor Gericht ausgefochten werden musste, wirft kein gutes Licht auf die damalige hessische Landesregierung.

Wir fordern: Gute Arbeit muss fair und angemessen bezahlt werden. Auch im Landesdienst!

Es kann gar nicht oft genug betont werden: Ohne den dbb Hessen, der mehrere Klagen von Polizisten mit Nachdruck und Gutachten begleitet hat, wäre es nicht zu diesem Urteil gekommen. Es zeigt deutlich, dass alle Fachgewerkschaften, die im dbb organisiert sind, nur gemeinschaftlich gerade in Fragen der Bezahlung stark sind.

Aber noch ist das Ziel nicht erreicht, auch wenn die beiden ersten Korrektur-Schritte mit einer Anhebung von jeweils 3% Anerkennung verdienen, insbesondere weil alle davon profitieren.

Erklärtes Ziel des dbb Hessen ist es, dass alle Landesbediensteten immer über die Besoldungs- und Entgelttabellen von einer Tarifrunde profitieren, indem das Tarifergebnis auch auf die Beamtinnen und Beamten übertragen wird.

Deswegen ist es so wichtig, solidarisch bei Kundgebungen und Demonstrationen zu sein, wie es eindrucksvoll beispielsweise in Fulda und Stuttgart in 2023 zu beobachten war, als Beamte und Angestellte gemeinsam für ein angemessenes Lohnplus gestritten haben. Komba, DPolG, DStG, die DVG und viele andere haben gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern vor Ort für eine gerechte Besoldung demonstriert.

Drei Bausteine sind wichtig und von diesen Forderungen werden wir nicht abrücken:

  • Durch weitere linearen Tabellenanpassungen, welche die beiden bisherigen Schritte von jeweils +3% fortsetzen, werden die Fehler der vergangenen Jahre dauerhaft repariert.
  • Eine Einmalzahlung in angemessener Höhe kompensiert das, was uns seit Jahren vorenthalten wurde.
  • Die Landesregierung gibt über den Abschluss in der Tarifrunde 2024 (zum Zeitpunkt des Drucks dieses Magazins noch nicht beendet) eine positive und klare Antwort auf den enormen Inflationsdruck der letzten 2,5 Jahre und auch den Fachkräftemangel.

Wir haben es verdient, endlich fair bezahlt zu werden! Dankesworte sind nett gemeint, eine angemessene Bezahlung aber können sie nicht ersetzen. Selbstverständlich muss das Ergebnis der Tarifverhandlungen auch inhalts- und zeitgleich durch ein Besoldungsgesetz auf den Bereich der hessischen Beamtinnen und Beamten übertragen werden.

Dass die Landesregierung auch darüber nachdenken sollte, über alle Schulformen hinweg mehr Möglichkeiten der Beförderung zu schaffen, mehr Funktionsstellen im Haushalt abzubilden, wäre ebenso wichtig wie auch ein Zeichen des Respekts, sich für die Anhebung der vermögenswirksamen Leistungen einzusetzen oder unseren Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand das Landesticket zuzugestehen, abseits von Tarifverhandlungen. Eine zusätzliche Erfahrungsstufe, eine zeitgemäße Entgeltordnung auch für Fachlehrkräfte, die Rücknahme der Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld … die To-Do-Liste für die Verantwortlichen ist lang.

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Volker Weigand, Stellv. Landesvorsitzender des dbb Hessen

Wirkungsvolle Strategien gegen den Lehrkräftemangel entwickeln!

Quo vadis, Lehrkraft?!

Es ist eine der größten Herausforderungen für unser Bildungssystem: Der Lehrkräftemangel ist ein drängendes Problem, das sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer betrifft.

Lange hat es sich schon abgezeichnet, heute ist er bereits bittere Realität und morgen wird es das Konzept Schule sprengen. Die Auswirkungen sind bereits jetzt in allen Bildungsstufen spürbar.

Früher galt der Lehrberuf noch als angesehen und erstrebenswert, heute brechen Studentinnen und Studenten reihenweise das Studium oder den Vorbereitungsdienst ab. Erfahrene Lehrkräfte kündigen immer häufiger ihren Beamtenstatus auf oder gehen mehrere Jahre vor der Pensionsgrenze in den Ruhestand und verzichten somit auf die Inanspruchnahme ihres vollen Ruhegehalts.

Ein Hauptgrund für den Lehrkräftemangel ist die sinkende Attraktivität des Berufs. Die Arbeitsbelastung ist hoch, die Belastung durch zu große, heterogene Klassen bei fehlender oder schlechter Ausstattung bringt viele Lehrkräfte an die Grenze zur Überlastung (und auch darüber hinaus).

Die Bezahlung ist oft nicht angemessen und die Aufstiegsmöglichkeiten sind limitiert, da es zu wenige Beförderungs- und Funktionsstellen für alle Schulformen gibt.

Auch werden Teilzeitregelungen gekürzt und das pädagogische Fachpersonal sehenden Auges ins Burnout geschickt. Dadurch kommt es gehäuft zu Unterrichtsausfällen und der Mangel an individueller Betreuung wirkt sich demzufolge negativ auf die Qualität der Bildung und die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler aus.

Deshalb fordern wir wirkungsvolle Strategien gegen den Lehrkräftemangel, die nicht zulasten des Bestandspersonals gehen!

Dazu gehören neben besserer Bezahlung und Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und deutlich mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Es muss sichergestellt werden, dass die Lehrkräfte im aktiven Dienst so lange wie möglich gesund bleiben. Dies gelingt nur, wenn durch den Dienstherrn auch attraktive Teilzeit- und Altersteilzeitmodelle angeboten werden. Bereits eine Verringerung der Pflichtstunden würde für deutliche Entlastung sorgen.

Gute Arbeit braucht Perspektiven und muss sich lohnen!

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Annabel Fee

Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung umsetzen!

Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung

Wir setzen uns für die Bedürfnisse aller Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schulformen ein und damit auch für die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung.

Es ist von zentraler Bedeutung, die Anliegen der Lehrkräfte im beruflichen Lernbereich in den Fokus zu rücken und ihre Rolle bei der Integration von Jugendlichen ins Berufsleben anzuerkennen. Lehrkräfte an beruflichen Schulen sind mindestens genauso bedeutsam wie ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen. Diese Gleichwertigkeit bezieht sich nicht nur auf die Qualität der Bildung, sondern auch auf die individuelle Unterstützung und Förderung der Schülerinnen und Schüler.

Die Integration von Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten oder mit bisher erfolgloser Schulbiografie ins Berufsleben erfordert nicht nur eine qualitative, sondern auch eine quantitative Stärkung der Lehrkräfte an beruflichen Schulen.

In der beruflichen Bildung werden auch praxisnahe Fähigkeiten gefördert, welche direkt auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Somit ist nicht nur der akademische Weg, sondern ebenso der berufliche Bildungserfolg maßgeblich für die qualifizierte Ausbildung junger Menschen auf ihren individuellen Wegen ins Berufsleben, um dem sich immer weiter abzeichnenden Fachkräftemangel in diversen Branchen entgegenzuwirken. Dies kann jedoch nicht ohne ausreichend qualifizierte Lehrkräfte an beruflichen Schulen geleistet werden.

Die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung im Vergleich zur allgemeinen Bildung sollte nicht nur als eine Frage der Anerkennung und Wertschätzung betrachtet werden, sondern auch als strategischer Ansatz zur Bewältigung des Lehrkräftemangels.

Es ist entscheidend, das Lehramt an beruflichen Schulen als äußerst attraktive Berufsoption zu positionieren. Dies erfordert nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch gesellschaftliche Wertschätzung und angemessene Lehrverpflichtungen.

Britta Bergmann, Tina Horneff, Mireille Kadel

Arbeitsbelastung spürbar reduzieren!

Arbeitsbelastung

Reduzieren. Entlasten. Fokussieren.

Wer kennt es nicht: Es ist Mittwochabend, 20:30 Uhr. Der Tag war lang, die Gesamtkonferenz hat wieder einmal den zeitlichen Rahmen gesprengt, die eigenen Kinder waren wieder die letzten, die aus dem Kindergarten abgeholt wurden. Nach dem Einkaufen, Abendessen und Zu-Bett-Bringen des Nachwuchses ist endlich Zeit für den Schreibtisch.

Die letzte Englisch-Arbeit der Klasse 6c muss noch korrigiert, der Unterricht für den morgigen Tag vorbereitet werden und der Blick fällt auf den Kalender. Nächste Woche sind die Förderpläne fällig. Morgen will sich das Klassenteam mit der Förderschullehrkraft zusammensetzen. 4 Kinder mit vorbeugenden Maßnahmen, 3 Kinder mit inklusivem Beschulungsstatus. Für alle gilt es die Förderpläne fortzuschreiben. Beim Blick in die Dienstmails ploppen 5 Mails von Eltern auf.

Die Schulleitung will am Freitag eine Dienstbesprechung im Anschluss an den Unterricht durchführen. Der Konrektor teilt mit, dass morgen Lehrkräfte zu Vertretungszwecken einspringen müssen. Die Freistunde ist hin.

Am Freitag hat sich die Schulpsychologin angekündigt. Im Lehrkräftekalender liegen noch zwei Beobachtungsbögen für Schüler, die gerade medikamentös eingestellt werden, die ausgefüllt werden müssen. Dringend geschrieben werden müssen auch noch zwei schriftliche Missbilligungen wegen einer mutwillig verstopften Schultoilette.

Die Belastungen und Anforderungen im Schulalltag haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Lehrkräftemangel haben in deutschen Schulen tiefe Spuren hinterlassen.

Mehrere Umfragen zeigen inzwischen eine alarmierend hohe Arbeitsbelastung bei Lehrkräften. Eine überwältigende Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen empfindet das Kollegium und sich selbst derzeit als stark oder sehr stark belastet. Für mehr als drei Viertel der Lehrkräfte ist Wochenendarbeit zur Regel geworden, und die Möglichkeit zur Erholung in der Freizeit ist für die Mehrheit kaum noch gegeben. Diese hohe Arbeitsbelastung bleibt nicht ohne Folgen: Über die Hälfte der Lehrkräfte leidet häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Fast die Hälfte der Lehrkräfte kämpft mit innerer Unruhe und Nackenschmerzen, während ein Drittel unter Schlafstörungen leidet.

Neben dem Kerngeschäft „Unterricht“ gilt es im Alltag täglich eine Fülle an Aufgaben, die wir bewältigen müssen, die mit Pädagogik und Didaktik aber wenig zu tun haben und viel mehr unter die Rubriken „Bürokratie“ und „Zusatzbelastung“ fallen. Dabei ist ein Abbau dieser Aufgaben dringend notwendig, damit genug Zeit für guten Unterricht bleibt.

Angesichts des Lehrkräftemangels und dieser belastenden Situation erwägt mehr als jede zehnte Lehrkraft, im kommenden Schuljahr weniger zu arbeiten. Lehrkräfte stehen zudem enorm unter Druck. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo vorantreiben, Lernrückstände aufholen, einen Fachkräftemangel bewältigen und eine steigende Zahl von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen sowie aus anderen Krisengebieten in die Schulen integrieren. Fast alle Lehrkräfte sind der Ansicht, dass seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 negative Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler zugenommen haben. Tatsächlich ist eine deutliche Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen zu verzeichnen, verbunden mit aggressivem Verhalten bei den Schülerinnen und Schülern. Hilfsangebote für die Kinder und Jugendlichen, beispielsweise in Form von Schulsozialarbeit, müssen vermehrt in Anspruch genommen werden. Dies betrifft besonders Schulen, in denen mehr als die Hälfte der Schülerschaft eine andere Familiensprache als Deutsch spricht. Aufgrund von Personalmangel und Bildungsferne in den Haushalten erhalten die Schülerinnen und Schüler derzeit nicht die notwendige Unterstützung, um vorhandene Lernlücken zu schließen.

Wir sind der Meinung, dass die Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler wichtiger sein sollte als das strikte Erfüllen der Lehrpläne. Obwohl wir als Lehrkräfte aus Überzeugung unseren Beruf ausüben, sind wir dennoch mit den Herausforderungen und hohen Belastungen konfrontiert. Dennoch sollten wir daran arbeiten, diese Situation zu verbessern

Was wir brauchen, damit wir nicht unter der zunehmenden Arbeitsverdichtung zusammenbrechen:

  • Reduzierung der Aufgaben auf das Wesentliche: Zeit für guten Unterricht!
  • Klassen- und Kursteiler um 20 % senken!
  • Kooperationsstunden für inklusives Arbeiten!
  • Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler in den Fokus stellen anstatt der strikten Erfüllung der Lehrpläne!
  • Übertragung der Verwaltungs- und Organisationsaufgaben auf Verwaltungsfachkräfte!
  • Recht auf voraussetzungslose Teilzeitanträge bis zu einer Reduzierung von 4 Stunden!
  • Mehr förderpädagogische, psychologische und sozialpädagogische Ressource zur Unterstützung der Lehrkräfte der allgemeinen Schule!
  • Abbau von Bürokratie und ein Ende der Konzeptflut!
  • Erhöhung der Schuldeputate!
  • Wiedereinführung der Altersteilzeit!
  • Korrekturtage für Abschlussprüfungen!
  • Professionellen IT-Support für alle Schulen!
  • Reduzierung der Wochenarbeitszeit!

Claus Eschenauer, Kerstin Mück

Lehrkräftegesundheit in den Fokus stellen!

Lehrkräftegesundheit in den Fokus stellen!

Die Gesundheit der Lehrkraft ist eine unabdingbare Voraussetzung, um den Unterricht fundiert, lernförderlich und kreativ zu gestalten. Gleichzeitig ist die Erhaltung der Gesundheit für Lehrkräfte wichtig um überhaupt Dienst tun zu können.

Viele hessische Lehrerinnen und Lehrer können aber von einer guten Work-Life-Balance nur träumen, die gesundheitlichen Beanspruchungen und Belastungen nehmen stetig zu:

  • Psychische Belastungen durch Schülerinnen und Schüler, die ihrerseits zunehmend schwer belastet in die Schulen kommen
  • Zunehmender Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ohne wirkliche Unterstützung auf technischer Ebene
  • Zeitdruck, immer und überall angemessen schnell zu reagieren
  • Hohe Arbeitsbelastung dadurch zu lange Arbeitszeiten, die nur schwer in Gänze erfasst werden können

Die Aufzählung ließe sich beliebig lang fortsetzen.

In Hessen ist sowohl die Zahl der verbeamteten und angestellten Lehrkräfte, die ihren Dienst quittierten als auch die Quote von Lehrerinnen und Lehrern, die in Teilzeit arbeiten, im vergangenen Schuljahr gestiegen. Hintergrund dieser Entwicklungen dürfte auch sein, dass die Betroffenen ihre Gesundheit schützen mussten. Somit ist es in unser aller Interesse, die Lehrkräftegesundheit allgemein zu priorisieren und nicht als eine rein private Aufgabe der einzelnen Lehrkraft zu betrachten.

Die Lehrkräftegesundheit könnte mit ein paar kleinen Schritten schon merkbar verbessert werden:

  • Keine Klassenleitung für Lehrkräfte mit einer sehr geringen Stundenzahl
  • Kleinere Klassen: weniger Lärm und Ablenkungen, weniger Arbeit für die Klassenleitung, weniger Korrekturen und somit eine bessere Beziehung zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern, bessere Leistungen derselben, eine höhere Zufriedenheit bei den Lehrenden und Lernenden sowie deren Eltern und ein niedrigeres Stressniveau für alle Beteiligten.

Wir fordern, dass die behördliche Gesundheitsförderung durch Maßnahmen der Steuerfreiheit (nach § 3 Nr. 34 EstG) keine Lippenbekenntnisse ist, sondern unbürokratisch einforderbar sein sollte. Dazu gehören für uns Angebote zum Lehrkräftesport in den einzelnen Schulämtern, die unentgeltlich und in ausreichender Zahl verfügbar sind.

Claudia Vaas-Hennely

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen!

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

 Zwar liegen bereits Gesetze zur Frauenförderung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor – beispielsweise das Hessische Gleichberechtigungsgesetz – dennoch muss noch viel beharrlicher vor Ort und in der Bildungsverwaltung auf die Umsetzung bestanden werden. Dies betrifft im Übrigen nicht nur Frauen, sondern auch Väter, Söhne und Brüder, denn Sorgearbeit ist nicht nur Frauensache.

Ein Mittel, um Informationen über den Sachstand in Ihrem Schulamtsbezirk zu erhalten, sind die Frauenförder- und Gleichstellungspläne des jeweiligen Staatlichen Schulamtes. Damit jede Lehr- sowie Führungskraft sich über die verbindlichen Zielvorgaben und die unterstützenden Maßnahmen zur Zielerreichung informieren kann, sind die Frauenförder- und Gleichstellungspläne einschließlich der Maßnahmenkataloge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer sowie zur geschlechtergerechten Personalentwicklung an jeder Schule auf geeignete Weise bekannt zu machen.

Egal ob Mann oder Frau: Wer in Teilzeit arbeitet, verbaut sich damit oftmals Chancen auf eine berufliche Weiterentwicklung. „Führen in Teilzeit“ ist in vielen Schulformen doch eher die Ausnahme. Neben dem berühmten Karriereknick bringt die Arbeit mit reduzierter Stundenzahl im Alter auch einen klammen Geldbeutel mit sich. Gerade alleinerziehende Elternteile sind von diesem Schicksal am Ende ihrer Dienstzeit betroffen.

Wenn jedoch mehr Männer in Teilzeit gehen (können/wollen) und keinen Karriereknick erleben müssen, dann können Frauen gleichzeitig ihr Arbeitszeitvolumen erhöhen und haben ebenfalls bessere Aussichten auf Karriere und finanzielle Versorgung im Alter. Frauen wenden pro Tag im Durchschnitt 43,8 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Dieser Unterschied wird als ‘Gender Care Gap’ bezeichnet. Indem Männer mehr Sorgearbeit übernehmen, kann auch dies positive Auswirkungen auf eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens haben und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.

Das „Führen in Teilzeit“ möglich ist, belegen Beispiele. Mit einem überaus hohen Prozentsatz sind es jedoch Frauen, die diesen Weg gehen.

Wir fordern daher eine gerechte und faire Bewertung im Arbeitsumfeld durch ein geschlechtergerechtes Beurteilungssystem. Es ist höchste Zeit, dass wir die Leistungen von Frauen und Männern gleichermaßen würdigen, ohne durch traditionelle Arbeitszeitmodelle oder Rollenstereotype beeinträchtigt zu werden. Eine moderne und gerechte Beurteilung muss die Vielfalt der Erwerbsbiografien und die unterschiedlichen Formen beruflicher Leistung anerkennen.

Schauen Sie doch einmal in den Frauenförder- und Gleichstellungsplan an Ihrer Schule und fordern Sie die Maßnahmen ein, die dort aufgeführt sind, um Ihnen ein berufliches Fortkommen bzw. die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Dieser Plan gilt nicht nur für Frauen! Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir unterstützen Sie auch gerne in diesem Bereich!

Die systemgerechte Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten muss mit Nachdruck weiterhin verfolgt werden. Noch besteht keine angemessene Versorgung im Alter. Kindererziehung und Pflege sind wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben! Aus diesen und vielen anderen frauen- und familienpolitischen Gründen sind auch Frauen aus den dlh-Verbänden Mitglied in der dbb Frauenvertretung, die für die arbeits-, gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Interessen von Frauen gegenüber Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern im öffentlichen Dienst sowie Landespolitikerinnen und -politikern eintritt.

Wir beklagen uns über Lehrkräftemangel, zwingen aber gleichzeitig Frauen und Männer ihre Elternzeit zu verlängern, weniger zu arbeiten als sie eigentlich möchten, weil nicht ausreichend Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die mit uns um Fachkräfte konkurrierende Wirtschaft. Je größer der Mangel wird, desto mehr lassen sich die Verantwortlichen im Personalmanagement einfallen. Eine nachahmenswerte Idee sind Betriebskindergärten. Das Land Hessen präsentiert sich gerne als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“, tut hier aber noch zu wenig für die Lehrkräfte.

Daher unsere Forderung: Überall dort, wo viele Lehrkräfte unterrichten, in großen Schulzentren und/oder dort, wo viele Schulen im Umfeld liegen, sind Betreuungsmöglichkeiten einzurichten. Dadurch sind Familien nahe beieinander, können mehr wertvolle Lebenszeit gemeinsam verbringen und Eltern sind im Notfall schneller erreichbar. Und dem Land Hessen stehen so mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung und vor allem motiviertere, weniger gehetzte Lehrkräfte!

Ein familienfreundlicher Arbeitgeber darf sich nicht nur als solcher bezeichnen, er muss auch einer sein.

Deshalb fordern wir:

  • Konsequente Umsetzung der Frauenförder- und Gleichstellungspläne!
  • Geschlechtergerechtes Beurteilungssystem!
  • (Höhere) Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten auf Rente/Pension!
  • „Betriebskindergärten“ für Kinder von Lehrkräften!

Monika Otten, glb-Landesvorsitzende

Vielfalt statt „Eine für alle!“ – Differenziertes Schulsystem erhalten!

Einheitsschule. Einheitslehrkraft. Einheitsbrei. STOPP!

Ein Plädoyer für das differenzierte Schulsystem

Unsere Schülerinnen und Schüler sind so vielfältig wie unsere Schulen.

Das differenzierte Schulsystem bietet eine Vielzahl von Schulformen, die aufeinander abgestimmt sind und den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, entsprechend ihrer individuellen Lern- und Leistungsfähigkeit gefördert zu werden.

Wir plädieren für die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung, um sicherzustellen, dass jedes Kind die passende Förderung erhält. Die aktuelle Beliebigkeit bei der Schulwahl führt oft dazu, dass Kinder überfordert sind und letztendlich scheitern.

Inklusion ist wichtig, sollte jedoch immer im Sinne des Kindeswohls erfolgen. Um Inklusion erfolgreich umzusetzen, benötigen wir mehr personelle und räumliche Ressourcen. Aber auch Förderschulen spielen weiterhin eine große Rolle, um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Denn der inklusive Unterricht sowie das inklusive Setting sind nicht für alle Kinder und Jugendliche passgenau.

Unser Ziel ist es, allen Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Bildung zu bieten und ihnen einen erfolgreichen Übergang in die Berufswelt zu ermöglichen.

Berufliche Schulen bieten verschiedene Bildungsgänge an, um individuelle Förderung zu gewährleisten. Ein differenziertes Schulsystem ist entscheidend für einen guten Start ins Berufsleben.

Daher setzen wir uns für die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung, eine am Kindeswohl orientierte Inklusion und eine begabungsgerechte Förderung aller Schülerinnen und Schüler ein – denn Vielfalt braucht Vielfalt in unseren Schulen!

Britta Bergmann, Mireille Kadel, Tina Horneff

Video-Clip: Am 4./5. Mai 2021 Liste Nr. 1 wählen – den dlh!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in wenigen Tagen ist es soweit: Die Personalratswahlen 2021 stehen am 4./5. Mai auf dem Terminkalender der hessischen Lehrkräfte.

Wir bitten Sie: Nehmen Sie Gebrauch von Ihrem Wahlrecht, geben Sie Ihre Briefwahlunterlagen ab oder gehen Sie persönlich an die Wahlurne!

Wählen Sie am 4./5. Mai die Liste Nr. 1 – den dlh!

Auf Instagram und Facebook haben wir ein Video zu unseren Themen veröffentlicht.

Ein Klick aufs Bild und Sie gelangen zum Beitrag:

 

Pressemitteilung des Deutschen Lehrerverbandes Hessen vom 25.04.2021 zum geplanten Schulbetrieb ab dem 06. Mai 2021

Neue Pläne des Kultusministeriums – neue Perspektiven für Schülerinnen und Schüler

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) begrüßt größtenteils die am Freitag verkündeten Pläne von Kultusminister Alexander Lorz für die Schulen, stellt aber auch Forderungen dazu.

„Endlich werden Perspektiven geschaffen für die Klassen 7 bis 11, wenn für sie eine Rückkehr an die Schulen am 6. Mai in Aussicht gestellt wird“, so die Landesvorsitzende Annabel Fee. Diese befänden sich seit inzwischen fast fünf Monaten zuhause im Distanzunterricht, was bei einigen Schülerinnen und Schülern teilweise zu massiven Lernrückständen führe. Annabel Fee erläutert: „Die Wiederaufnahme des Unterrichts würde vormittags wieder feste Strukturen vorgeben und vor allem reale Zusammentreffen von Gleichaltrigen ermöglichen. Das wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“

Positiv bezüglich des Termins sei aus Sicht des dlh, dass die Schulen einen ausreichend langen Vorlauf für Planungen hätten, die Durchführung der Antigen-Schnelltests sich bis dahin eingespielt habe und nach dem Ende der Abiturklausuren zusätzliche Räume in den Schulen vorhanden seien, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Doch hier stellt der dlh auch Forderungen:

  • Die Schulträger müssten dafür Sorge tragen, dass umgehend alle Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden – auch als Investition für künftige virale Infektionswellen.
  • Impfwillige Lehrkräfte müssen bis zum 6. Mai zumindest ihre Erstimpfung erhalten haben.
  • Die Antigen-Schnelltests müssen außerhalb der Unterrichtsräume, hygienisch abgesichert und bestenfalls in den (Bürger-)Test-Zentren stattfinden.
  • Die Patenschaften mit den Hilfsorganisationen für die Testungen sollten verlängert werden, um weiterhin Fachpersonal vor Ort zu haben. Lehrkräfte sollten medizinische Tätigkeiten weder durchführen noch überwachen oder anleiten.

Bei allem Optimismus ist dem dlh natürlich bewusst, dass alle Ankündigungen des Kultusministeriums unter dem Vorbehalt der sogenannten „Bundes-Notbremse“ stehen. Der Grenzwert von 165 sei zwar eine Verbesserung gegenüber dem alten Schwellenwert von 200, aber immer noch zu hoch gegenüber dem für alle anderen Bereiche geltenden Referenzwert von 100. Die praktische Umsetzung der Vorschriften gestalte sich bei stark schwankenden Inzidenzwerten schwierig und bedeute für alle Beteiligten wenig Planungssicherheit.

Annabel Fee konstatiert abschließend: „Wir hoffen sehr, dass die Maßnahmen in den nächsten zwei Wochen greifen, damit die Pläne von Minister Lorz umgesetzt werden können. Denn auch wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern eine Perspektive bieten können.“

Annabel Fee, dlh-Landesvorsitzende

Mobil: 0151-55242000             Mail:

2021-04-25 dlh-PM Schulbetrieb ab 6. Mai

Der dlh in der Hessenschau vom 11.01.2021 – hier können Sie den Beitrag zum Schulbeginn in Hessen nochmal ansehen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vielleicht haben Sie den Beitrag in der Hessenschau nicht sehen können, vielleicht möchten Sie ihn auch einfach nochmal ansehen. Distanzlernen, Homeschooling, Wechselmodell, Präsenzunterricht, Corona-Pandemie und Gesundheitsschutz – all das wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Dann kommt hier der Link zum Live-Interview mit Boris Krüger:

hessenschau 20210111

Viel Freude beim Anschauen!

Pressemitteilung vom 04.01.2021: Schulbetrieb JA, aber SICHER – RKI-Empfehlungen müssen für alle Schulformen gelten

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) fordert für die hessischen Schulen Planungssicherheit und Schutzvorkehrungen bis zu den Osterferien.

Angesichts der Entwicklungen der Pandemie warnen die dlh-Landesvorsitzenden Annabel Fee und Kerstin Jonas die Verantwortlichen in Corona-Kabinett und Kultusministerium davor, die in der übrigen Gesellschaft geltenden Hygienemaßnahmen des RKI zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien zu ignorieren.

„Es bedarf klarer Leitlinien und Richtwerte für die Planung bis zu den Osterferien. Jüngste Entwicklungen haben auch in Hessen gezeigt, dass Schulen nicht per se sicher sind vor Infektionen. Ein pandemisches Geschehen konnte vor Weihnachten hessenweit beobachtet werden“, sagt Annabel Fee. „Die Verantwortlichen müssen sich eingestehen, dass sie die vom RKI dringend empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen nicht weiter ignorieren dürfen. Die Abstandsregelung muss für alle Schulformen gelten, auch für Grundschulen“, bekräftigt Kerstin Jonas.

Die hessischen Schulen sind nach Ansicht der dlh-Landesvorsitzenden darauf vorbereitet, Unterricht im Wechsel- oder Distanzmodell zu organisieren und umzusetzen, soweit es die vorhandenen Rahmenbedingungen zulassen.

Der dlh fordert für den Zeitraum bis zu den Osterferien:

  • Klare Regelung des Schulbetriebs bis zu den Osterferien für eine bessere Planbarkeit vor Ort: Feste Vorgaben, wie der Schulbetrieb bis zu den Osterferien konkret aussehen soll. Ein normaler Schulbetrieb ist unter Pandemiebedingungen nicht möglich. Es muss aber verlässlich planbar sein, wann welche Unterrichtsform ergriffen werden muss.
  • Einhaltung aller RKI-Empfehlungen (AHA+L+A): In allen Schulformen muss zusätzlich zur Handhygiene und zum regelmäßigen Lüften das Abstandsgebot von 1,50m durch Verkleinerung der Lerngruppen eingehalten werden, um einen effektiven Infektionsschutz zu gewährleisten.
  • Zeitnahe Impfangebote für Lehrkräfte schaffen: Wenn erwartet wird, dass an den Schulen normaler Unterrichtsbetrieb herrscht, muss den Lehrkräften auch zeitnah ein Impfangebot unterbreitet werden. Der Impfstart im August kommt zu spät.
  • Notbetreuung durch externes Personal: Notbetreuungsangebote bei Wechsel- und Distanzunterricht müssen durch externes Personal angeboten werden. Denn die Kernaufgabe von Lehrkräften ist die Wissensvermittlung.
  • Externes Fachpersonal für Hygiene an allen Schulen: Hygienekonzepte und deren Umsetzung müssen durch externes Personal gewährleistet werden. Auch hier gilt: Kernaufgabe der Lehrkräfte ist die Wissensvermittlung. Es gibt keine freien Ressourcen mehr für zusätzliche Aufgaben.
  • Schnelltests durch medizinisches Fachpersonal: Um das Infektionsgeschehen vor Ort gering zu halten, bedarf es regelmäßiger Schnelltests der Lehrkräfte an den Schulen. Diese dürfen nur durch ausgebildetes Personal durchgeführt werden und müssen mindestens 1x pro Woche stattfinden. Die Testung von Lehrkräften durch andere Lehrkräfte, auch wenn sie dafür geschult wurden, oder gar Selbsttests lehnt der dlh entschieden ab.
  • Kürzung der unterrichtlichen Inhalte auf Schwerpunkte: Während des Wechsel- und Distanzunterrichts müssen die Unterrichtsinhalte auf das Wesentliche reduziert werden. Die Inhalte für das häusliche Lernen müssen zu bewältigen sein.

„Den verantwortlichen Planerinnen und Planern muss klar sein, dass sie mit der Gesundheit der Lehrkräfte, sozialpädagogischen Fachkräfte, Schülerinnen/Schülern und jedwedem Schulpersonal spielen, wenn sie keine Schutzvorkehrungen treffen“, bekräftigt Annabel Fee. „Wir Lehrkräfte wollen gerne unserem Bildungsauftrag nachkommen, aber nicht um jeden Preis!“

Nieder-Olm und Fulda, den 04.01.2021

Pressemitteilung Schulbetrieb ja aber sicher 20210104

Pressemitteilung vom 12.08.2020: Ein reguläres Unterrichtsgeschehen fordert Rücksichtnahme und Umsicht von allen Beteiligten, aber wir freuen uns auf den Schulbeginn

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) hat die immer lauter werdenden Empfehlungen und Forderungen zur Einführung einer generellen Maskenpflicht im Unterricht mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen.

„Wir Lehrkräfte freuen uns auf den Schulbeginn. Unser Beruf und Schule leben durch direkte soziale Interaktion. Aber wenn der Schulbetrieb in einem relativ regulären Modus starten soll, ist eine Maskenpflicht ein wichtiger Faktor für den Infektionsschutz aller Beteiligten“, sagt die dlh-Landesvorsitzende Annabel Fee. „Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass dies in der Theorie recht einfach klingt, in der Praxis aber beim permanenten Tragen von Masken – auch im Unterricht – einige Schwierigkeiten entstehen.“

Kommunikationseinschränkungen durch fehlende Mimik (gerade im Fremdsprachenunterricht und in der sonderpädagogischen Förderung im Einzelsetting sind Mundbilder und die Mimik des Gegenübers unabdingbar), erschwerte Verständlichkeit von Sprache (bei Nebengeräuschen und undeutlicher, leiser Aussprache erschweren Missverständnisse den Austausch untereinander) und Fehldeutungen von Gesagtem (anhand der Mimik des Gegenübers lassen sich Subtexte innerhalb der Kommunikation besser erfassen).

Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die hohen Temperaturen in den Schulgebäuden im Hoch- und Spätsommer: viele Gebäude verfügen nicht über adäquaten Wärmeschutz, mit Mund-Nasen-Schutz überhitzt der Körper noch schneller.

Maskenhygiene ist schwer zu überwachen: häufiges Wechseln der Masken ist aufgrund von Durchfeuchtung notwendig; bei den Schüler*innen besteht keine Chance zu kontrollieren, ob die Maskenhygiene ordnungsgemäß erfolgt.

„Durch die Ankündigung des Regelbetriebs nach den Sommerferien wurde sich zu wenig damit auseinandergesetzt, dass das lokale Infektionsgeschehen uns die Art und Weise des Schulbetriebs vorgibt“, führt sie aus. „Statt einer Maskenpflicht im Unterricht wäre das Beibehalten des Abstandsgebots durch kleinere Lerngruppen besser gewesen. Denn nach wie vor ist Abstand der beste Schutz.“

Der dlh fordert daher:

  • Eine Maskenpflicht im Unterricht soll sich am lokalen Infektionsgeschehen orientieren.
  • Die Abstandsregel soll möglichst wieder eingeführt werden.
  • Der Verbleib in festen Lerngruppen sollte unbedingt angestrebt werden.
  • Der Einsatz von Visieren muss dort erfolgen, wo Masken Probleme verursachen.
  • Plexiglasscheiben für (sonderpädagogische) Förderung müssen seitens des Dienstherrn zu Verfügung gestellt werden.
  • Genügend Schutzausrüstung muss für alle Lehrkräfte, sozialpädagogische Kräfte, Schüler*innen und in Schulen Tätigen bereitgestellt werden.

Pressemitteilung Maskenpflicht im Unterricht 20200812

Reaktionen zu der aktuellen Pressemitteilung des dlh zum geplanten Vollbetrieb an hessischen Grundschulen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

neben zahlreichen Nachrichten und Anrufen, die uns in unserer Haltung gegenüber den Planungen des Kultusministeriums und der Landesregierung bestärkten, erhielten wir auch große und positive Resonanz über die bekannte Lehrkräfte-Plattform von news4teachers.de sowie in der lokalen Presse.

Wir freuen uns darüber, dass wir Gehör finden und setzen uns auch weiterhin GEMEINSAM, DIFFERENZIERT und LÖSUNGSORIENTIERT für unsere Lehrkräfte ein!

Pressemitteilung des dlh zum geplanten Vollbetrieb an hessischen Grundschulen ab dem 22. Juni 2020

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) steht dem geplanten Vollbetrieb an hessischen Grundschulen ab dem 22. Juni 2020 kritisch gegenüber.

„Der Wegfall jeglicher Abstandsregeln ist gerade für Lehrkräfte, die selbst zur Risikogruppe gehören oder mit Personen der Risikogruppe im Haushalt leben, beängstigend. Denn von Maßnahmen, die den Lehrkräften zum Schutz vor einer Infektion bereitgestellt werden, ist nichts zu sehen bisher“, sagt die Landesvorsitzende Annabel Fee. Die Rede sei aktuell nur von einem kompletten Hochfahren des Präsenzunterrichts in den beiden Wochen vor den Sommerferien. „Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte werden als Versuchskaninchen missbraucht, an denen man testet, ob die Infektionsrate durch einen normalen Schulbetrieb steigt. Nur weil irgendein Virologe meint, dass Kinder weniger infektiös sind. Bewiesen ist diese Vermutung nicht. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn es einen klaren Schnitt gegeben hätte, und der Vollbetrieb erst nach den Sommerferien und einer weiteren Beobachtung der Pandemie-Entwicklung erfolgt wäre“, erläutert Fee weiter.

Ihre Stellvertreterin Kerstin Jonas sieht vor allem das Kultusministerium und die Schulträger in der Pflicht, zumindest dafür zu sorgen, dass die Reinigungsquote während des „Testlaufs“ deutlich erhöht wird. „Eine einmalige Reinigung pro Tag mit Flächendesinfektion erscheint nicht ausreichend und grob fahrlässig. Es gibt weder Spuckschutz noch wirksame Masken für Lehrkräfte, die zwar gerne für die Schülerinnen und Schüler da sein möchten, jedoch Angst vor einer Ansteckung haben. Angst lähmt und ist kein guter Berater in einer solchen Zeit. Dem Dienstherrn sollte daran gelegen sein, zumindest Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Anschein von Sicherheit für die Bediensteten erwecken“, meint Jonas. „Mit einer großen Infektionswelle und langfristigen Ausfällen unter den Lehrkräften – gerade an den Grundschulen – ist nichts gewonnen. Damit wird der Lehrkräftemangel nur noch verschärft, denn: es gibt keine verfügbaren Grundschullehrkräfte, die nur darauf warten, eingestellt zu werden!“

Der dlh fordert daher 3x täglich eine Reinigung der schulischen Räumlichkeiten durch professionelles Personal sowie das Zur-Verfügung-stellen von FFP2-Masken und Spuckschutz für alle Lehrkräfte, die der Risikogruppe angehören und trotzdem arbeiten möchten oder die mit Angehörigen der Risikogruppe leben. Außerdem fordert der dlh eine verbindliche Testung aller Lehrkräfte und Grundschüler*innen vor Beginn der zweiwöchigen Testphase sowie am Ende der Zeit, damit der „Schulversuch“ zumindest wissenschaftlich ausgewertet werden kann.

„Wir stellen außerdem fest, dass mit der Freiwilligkeit des Schulbesuchs für die Schülerinnen und Schüler die Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte steigt, da die Kinder, die im Homeschooling verbleiben parallel zum Klassenunterricht ebenfalls mit Materialien versorgt werden müssen“, merkt Annabel Fee an. „Es sollte dann auch seitens des Ministeriums geklärt werden, ob die Kinder, die zu Hause bleiben, verpflichtende Aufgaben erhalten, oder ob sie letztlich – im Gegensatz zu den anderen Kindern – schon zwei Wochen früher Sommerferien haben. Schließlich ist die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte aller Schulformen in den vergangenen Wochen durch die Kombination aus digital teaching und Präsenzunterricht bereits auf ein Level angestiegen, das so auf Dauer nicht gehalten werden kann. Geregelte Arbeitszeiten waren das nicht – eher Arbeiten rund um die Uhr!“

Generell moniert der dlh auch aufs Schärfste, dass die schulischen Neuerungen der vergangenen Wochen seitens der Landesregierung und des Kultusministeriums stets ohne Einbezug der Lehrkräfte und Schulleitungen erfolgten. Prinzipiell erfuhren die Betroffenen aus der Presse und teilweise durch die Eltern der Schülerinnen und Schüler von Entwicklungen im Schulbetrieb.

Eine Pressekonferenz über die schulischen Planungen bis zu den Sommerferien an einem Mittwochmorgen um 10 Uhr durchzuführen, an dem Lehrkräfte im Unterricht und nicht vor dem Fernseher zu finden sind, zeugt nicht von gutem Stil. Es wurde in den vergangenen Wochen und Monaten viel zu oft über die Köpfe von Lehrkräften hinweg entschieden. Eine rechtzeitige Information aller Betroffenen vor einer medienwirksamen Verkündung in der Presse wäre nur recht und billig und vor allem wertschätzend gegenüber den Menschen gewesen, die in den vergangenen Wochen unter miserablen Bedingungen (Arbeitszeiten, die über ein normales Maß weit hinaus gingen und digital teaching ohne dienstliche Endgeräte sollen hier nur zwei kleine Beispiele sein) ihr Bestes gegeben haben.

Der dlh appelliert an das Kultusministerium und die Landesregierung, alles zu tun, um den Arbeitsplatz Schule sowie den dienstlichen Einsatz für alle Lehrkräfte sicher und transparent zu gestalten!

 

Nieder-Olm und Fulda, den 11.06.2020                        Annabel Fee und Kerstin Jonas

Kontakt:                                                      

Pressemitteilung dlh Vollbetrieb Grundschule Hessen 20200611