Teilzeit.
Karriereknick.
Versorgungslücke!

Antworten für Hessens Lehrkräfte

Hier geht es zum dlh-express 2024 als Blättermagazin und Download

Werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Interessierte,

auch in 2024 haben wir uns ausführlich Gedanken gemacht, was wir in unserem Schulalltag ändern würden, wenn wir es könnten. Denn oftmals scheitern wir eigentlich nur an den Rahmenbedingungen, die uns unser Dienstherr bietet.

Welche Forderungen wir an das Land Hessen und das Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen haben, können Sie im dlh-express 2024 nachlesen. Entweder als praktisches Blättermagazin oder auch als Download im pdf-Format.

Machen Sie sich eine Tasse Kaffee oder Tee und schmökern Sie ein wenig!

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dlh-express 2024 als pdf-Download

Digitalisierung professionell weiterentwickeln!

Digitale Weiterentwicklung statt Sparmodell

Vor nur vier Jahren war es noch üblich, dass Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte mit in die Schule brachten, da eine flächendeckende digitale Infrastruktur fehlte.

Haben wir uns seitdem wirklich digital weiterentwickelt? Mitnichten!

Zwar gibt es mittlerweile geliehene Endgeräte und WLAN an Schulen, jedoch nicht für alle verfügbar, oft veraltet und instabil.

Um die Digitalisierung im Bildungsbereich professionell voranzutreiben, muss weiterhin an der Ausstattung sowohl der Lehrkräfte als auch der Schülerinnen und Schüler gearbeitet werden.

Es ist entscheidend, dass die Digitalisierung in Schulen nicht als Sparmodell betrachtet wird. Sie darf auch nicht von der finanziellen Situation der oftmals klammen Schulträger oder Eltern abhängen.

Außerdem benötigen Lehrkräfte nach wie vor einen professionelle IT-Support, denn die wenigsten haben Zeit und Muße für ein IT-Selbststudium. Schließlich ist auch die Hauptaufgabe des pädagogischen Personals das pädagogische (und didaktische) Arbeiten – und dafür fehlt schon oft genug die notwendige Zeit.

Es ist wichtig, dass alle Beteiligten Zugang zu modernen Technologien haben, um zeitgemäßes Lernen zu ermöglichen. Nur so können Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der digitalen Welt vorbereitet werden. Die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur an Schulen sollte daher eine Priorität sein, um Chancengleichheit im Bildungssystem sicherzustellen. Es ist an der Zeit, die Digitalisierung in Schulen ernsthaft anzugehen und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, damit Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von den Vorteilen moderner Technologien profitieren können.

Wir fordern deshalb:

  • Schulformgerechte Versorgung mit Endgeräten und nicht „Eins für alle“, denn so unterschiedlich, wie die Schulformen sind, so verschieden sind auch die Ansprüche an eine Ausstattung mit Hard- und Software!
  • Professioneller IT-Support für alle Schulformen!
  • Unterrichtsbegleitende digitale Fortbildungen!
  • Endgeräte für Schülerinnen und Schüler in ausreichender Menge, damit nicht der Geldbeutel der Eltern über das digitale Lernen entscheidet!

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Kerstin Mück

Besoldungsentwicklung für alle!

Mehr Geld für gute Arbeit

Seit ca. 10 Jahren ist die Besoldung der Beamtinnen und Beamten im Land Hessen mittlerweile verfassungswidrig. Dass die Frage einer verfassungskonformen Bezahlung überhaupt vor Gericht ausgefochten werden musste, wirft kein gutes Licht auf die damalige hessische Landesregierung.

Wir fordern: Gute Arbeit muss fair und angemessen bezahlt werden. Auch im Landesdienst!

Es kann gar nicht oft genug betont werden: Ohne den dbb Hessen, der mehrere Klagen von Polizisten mit Nachdruck und Gutachten begleitet hat, wäre es nicht zu diesem Urteil gekommen. Es zeigt deutlich, dass alle Fachgewerkschaften, die im dbb organisiert sind, nur gemeinschaftlich gerade in Fragen der Bezahlung stark sind.

Aber noch ist das Ziel nicht erreicht, auch wenn die beiden ersten Korrektur-Schritte mit einer Anhebung von jeweils 3% Anerkennung verdienen, insbesondere weil alle davon profitieren.

Erklärtes Ziel des dbb Hessen ist es, dass alle Landesbediensteten immer über die Besoldungs- und Entgelttabellen von einer Tarifrunde profitieren, indem das Tarifergebnis auch auf die Beamtinnen und Beamten übertragen wird.

Deswegen ist es so wichtig, solidarisch bei Kundgebungen und Demonstrationen zu sein, wie es eindrucksvoll beispielsweise in Fulda und Stuttgart in 2023 zu beobachten war, als Beamte und Angestellte gemeinsam für ein angemessenes Lohnplus gestritten haben. Komba, DPolG, DStG, die DVG und viele andere haben gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern vor Ort für eine gerechte Besoldung demonstriert.

Drei Bausteine sind wichtig und von diesen Forderungen werden wir nicht abrücken:

  • Durch weitere linearen Tabellenanpassungen, welche die beiden bisherigen Schritte von jeweils +3% fortsetzen, werden die Fehler der vergangenen Jahre dauerhaft repariert.
  • Eine Einmalzahlung in angemessener Höhe kompensiert das, was uns seit Jahren vorenthalten wurde.
  • Die Landesregierung gibt über den Abschluss in der Tarifrunde 2024 (zum Zeitpunkt des Drucks dieses Magazins noch nicht beendet) eine positive und klare Antwort auf den enormen Inflationsdruck der letzten 2,5 Jahre und auch den Fachkräftemangel.

Wir haben es verdient, endlich fair bezahlt zu werden! Dankesworte sind nett gemeint, eine angemessene Bezahlung aber können sie nicht ersetzen. Selbstverständlich muss das Ergebnis der Tarifverhandlungen auch inhalts- und zeitgleich durch ein Besoldungsgesetz auf den Bereich der hessischen Beamtinnen und Beamten übertragen werden.

Dass die Landesregierung auch darüber nachdenken sollte, über alle Schulformen hinweg mehr Möglichkeiten der Beförderung zu schaffen, mehr Funktionsstellen im Haushalt abzubilden, wäre ebenso wichtig wie auch ein Zeichen des Respekts, sich für die Anhebung der vermögenswirksamen Leistungen einzusetzen oder unseren Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand das Landesticket zuzugestehen, abseits von Tarifverhandlungen. Eine zusätzliche Erfahrungsstufe, eine zeitgemäße Entgeltordnung auch für Fachlehrkräfte, die Rücknahme der Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld … die To-Do-Liste für die Verantwortlichen ist lang.

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Volker Weigand, Stellv. Landesvorsitzender des dbb Hessen

Wirkungsvolle Strategien gegen den Lehrkräftemangel entwickeln!

Quo vadis, Lehrkraft?!

Es ist eine der größten Herausforderungen für unser Bildungssystem: Der Lehrkräftemangel ist ein drängendes Problem, das sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer betrifft.

Lange hat es sich schon abgezeichnet, heute ist er bereits bittere Realität und morgen wird es das Konzept Schule sprengen. Die Auswirkungen sind bereits jetzt in allen Bildungsstufen spürbar.

Früher galt der Lehrberuf noch als angesehen und erstrebenswert, heute brechen Studentinnen und Studenten reihenweise das Studium oder den Vorbereitungsdienst ab. Erfahrene Lehrkräfte kündigen immer häufiger ihren Beamtenstatus auf oder gehen mehrere Jahre vor der Pensionsgrenze in den Ruhestand und verzichten somit auf die Inanspruchnahme ihres vollen Ruhegehalts.

Ein Hauptgrund für den Lehrkräftemangel ist die sinkende Attraktivität des Berufs. Die Arbeitsbelastung ist hoch, die Belastung durch zu große, heterogene Klassen bei fehlender oder schlechter Ausstattung bringt viele Lehrkräfte an die Grenze zur Überlastung (und auch darüber hinaus).

Die Bezahlung ist oft nicht angemessen und die Aufstiegsmöglichkeiten sind limitiert, da es zu wenige Beförderungs- und Funktionsstellen für alle Schulformen gibt.

Auch werden Teilzeitregelungen gekürzt und das pädagogische Fachpersonal sehenden Auges ins Burnout geschickt. Dadurch kommt es gehäuft zu Unterrichtsausfällen und der Mangel an individueller Betreuung wirkt sich demzufolge negativ auf die Qualität der Bildung und die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler aus.

Deshalb fordern wir wirkungsvolle Strategien gegen den Lehrkräftemangel, die nicht zulasten des Bestandspersonals gehen!

Dazu gehören neben besserer Bezahlung und Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und deutlich mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Es muss sichergestellt werden, dass die Lehrkräfte im aktiven Dienst so lange wie möglich gesund bleiben. Dies gelingt nur, wenn durch den Dienstherrn auch attraktive Teilzeit- und Altersteilzeitmodelle angeboten werden. Bereits eine Verringerung der Pflichtstunden würde für deutliche Entlastung sorgen.

Gute Arbeit braucht Perspektiven und muss sich lohnen!

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Annabel Fee

Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung umsetzen!

Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung

Wir setzen uns für die Bedürfnisse aller Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schulformen ein und damit auch für die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung.

Es ist von zentraler Bedeutung, die Anliegen der Lehrkräfte im beruflichen Lernbereich in den Fokus zu rücken und ihre Rolle bei der Integration von Jugendlichen ins Berufsleben anzuerkennen. Lehrkräfte an beruflichen Schulen sind mindestens genauso bedeutsam wie ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen. Diese Gleichwertigkeit bezieht sich nicht nur auf die Qualität der Bildung, sondern auch auf die individuelle Unterstützung und Förderung der Schülerinnen und Schüler.

Die Integration von Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten oder mit bisher erfolgloser Schulbiografie ins Berufsleben erfordert nicht nur eine qualitative, sondern auch eine quantitative Stärkung der Lehrkräfte an beruflichen Schulen.

In der beruflichen Bildung werden auch praxisnahe Fähigkeiten gefördert, welche direkt auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Somit ist nicht nur der akademische Weg, sondern ebenso der berufliche Bildungserfolg maßgeblich für die qualifizierte Ausbildung junger Menschen auf ihren individuellen Wegen ins Berufsleben, um dem sich immer weiter abzeichnenden Fachkräftemangel in diversen Branchen entgegenzuwirken. Dies kann jedoch nicht ohne ausreichend qualifizierte Lehrkräfte an beruflichen Schulen geleistet werden.

Die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung im Vergleich zur allgemeinen Bildung sollte nicht nur als eine Frage der Anerkennung und Wertschätzung betrachtet werden, sondern auch als strategischer Ansatz zur Bewältigung des Lehrkräftemangels.

Es ist entscheidend, das Lehramt an beruflichen Schulen als äußerst attraktive Berufsoption zu positionieren. Dies erfordert nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch gesellschaftliche Wertschätzung und angemessene Lehrverpflichtungen.

Britta Bergmann, Tina Horneff, Mireille Kadel

Arbeitsbelastung spürbar reduzieren!

Arbeitsbelastung

Reduzieren. Entlasten. Fokussieren.

Wer kennt es nicht: Es ist Mittwochabend, 20:30 Uhr. Der Tag war lang, die Gesamtkonferenz hat wieder einmal den zeitlichen Rahmen gesprengt, die eigenen Kinder waren wieder die letzten, die aus dem Kindergarten abgeholt wurden. Nach dem Einkaufen, Abendessen und Zu-Bett-Bringen des Nachwuchses ist endlich Zeit für den Schreibtisch.

Die letzte Englisch-Arbeit der Klasse 6c muss noch korrigiert, der Unterricht für den morgigen Tag vorbereitet werden und der Blick fällt auf den Kalender. Nächste Woche sind die Förderpläne fällig. Morgen will sich das Klassenteam mit der Förderschullehrkraft zusammensetzen. 4 Kinder mit vorbeugenden Maßnahmen, 3 Kinder mit inklusivem Beschulungsstatus. Für alle gilt es die Förderpläne fortzuschreiben. Beim Blick in die Dienstmails ploppen 5 Mails von Eltern auf.

Die Schulleitung will am Freitag eine Dienstbesprechung im Anschluss an den Unterricht durchführen. Der Konrektor teilt mit, dass morgen Lehrkräfte zu Vertretungszwecken einspringen müssen. Die Freistunde ist hin.

Am Freitag hat sich die Schulpsychologin angekündigt. Im Lehrkräftekalender liegen noch zwei Beobachtungsbögen für Schüler, die gerade medikamentös eingestellt werden, die ausgefüllt werden müssen. Dringend geschrieben werden müssen auch noch zwei schriftliche Missbilligungen wegen einer mutwillig verstopften Schultoilette.

Die Belastungen und Anforderungen im Schulalltag haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Lehrkräftemangel haben in deutschen Schulen tiefe Spuren hinterlassen.

Mehrere Umfragen zeigen inzwischen eine alarmierend hohe Arbeitsbelastung bei Lehrkräften. Eine überwältigende Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen empfindet das Kollegium und sich selbst derzeit als stark oder sehr stark belastet. Für mehr als drei Viertel der Lehrkräfte ist Wochenendarbeit zur Regel geworden, und die Möglichkeit zur Erholung in der Freizeit ist für die Mehrheit kaum noch gegeben. Diese hohe Arbeitsbelastung bleibt nicht ohne Folgen: Über die Hälfte der Lehrkräfte leidet häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Fast die Hälfte der Lehrkräfte kämpft mit innerer Unruhe und Nackenschmerzen, während ein Drittel unter Schlafstörungen leidet.

Neben dem Kerngeschäft „Unterricht“ gilt es im Alltag täglich eine Fülle an Aufgaben, die wir bewältigen müssen, die mit Pädagogik und Didaktik aber wenig zu tun haben und viel mehr unter die Rubriken „Bürokratie“ und „Zusatzbelastung“ fallen. Dabei ist ein Abbau dieser Aufgaben dringend notwendig, damit genug Zeit für guten Unterricht bleibt.

Angesichts des Lehrkräftemangels und dieser belastenden Situation erwägt mehr als jede zehnte Lehrkraft, im kommenden Schuljahr weniger zu arbeiten. Lehrkräfte stehen zudem enorm unter Druck. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo vorantreiben, Lernrückstände aufholen, einen Fachkräftemangel bewältigen und eine steigende Zahl von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen sowie aus anderen Krisengebieten in die Schulen integrieren. Fast alle Lehrkräfte sind der Ansicht, dass seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 negative Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler zugenommen haben. Tatsächlich ist eine deutliche Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen zu verzeichnen, verbunden mit aggressivem Verhalten bei den Schülerinnen und Schülern. Hilfsangebote für die Kinder und Jugendlichen, beispielsweise in Form von Schulsozialarbeit, müssen vermehrt in Anspruch genommen werden. Dies betrifft besonders Schulen, in denen mehr als die Hälfte der Schülerschaft eine andere Familiensprache als Deutsch spricht. Aufgrund von Personalmangel und Bildungsferne in den Haushalten erhalten die Schülerinnen und Schüler derzeit nicht die notwendige Unterstützung, um vorhandene Lernlücken zu schließen.

Wir sind der Meinung, dass die Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler wichtiger sein sollte als das strikte Erfüllen der Lehrpläne. Obwohl wir als Lehrkräfte aus Überzeugung unseren Beruf ausüben, sind wir dennoch mit den Herausforderungen und hohen Belastungen konfrontiert. Dennoch sollten wir daran arbeiten, diese Situation zu verbessern

Was wir brauchen, damit wir nicht unter der zunehmenden Arbeitsverdichtung zusammenbrechen:

  • Reduzierung der Aufgaben auf das Wesentliche: Zeit für guten Unterricht!
  • Klassen- und Kursteiler um 20 % senken!
  • Kooperationsstunden für inklusives Arbeiten!
  • Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler in den Fokus stellen anstatt der strikten Erfüllung der Lehrpläne!
  • Übertragung der Verwaltungs- und Organisationsaufgaben auf Verwaltungsfachkräfte!
  • Recht auf voraussetzungslose Teilzeitanträge bis zu einer Reduzierung von 4 Stunden!
  • Mehr förderpädagogische, psychologische und sozialpädagogische Ressource zur Unterstützung der Lehrkräfte der allgemeinen Schule!
  • Abbau von Bürokratie und ein Ende der Konzeptflut!
  • Erhöhung der Schuldeputate!
  • Wiedereinführung der Altersteilzeit!
  • Korrekturtage für Abschlussprüfungen!
  • Professionellen IT-Support für alle Schulen!
  • Reduzierung der Wochenarbeitszeit!

Claus Eschenauer, Kerstin Mück

Lehrkräftegesundheit in den Fokus stellen!

Lehrkräftegesundheit in den Fokus stellen!

Die Gesundheit der Lehrkraft ist eine unabdingbare Voraussetzung, um den Unterricht fundiert, lernförderlich und kreativ zu gestalten. Gleichzeitig ist die Erhaltung der Gesundheit für Lehrkräfte wichtig um überhaupt Dienst tun zu können.

Viele hessische Lehrerinnen und Lehrer können aber von einer guten Work-Life-Balance nur träumen, die gesundheitlichen Beanspruchungen und Belastungen nehmen stetig zu:

  • Psychische Belastungen durch Schülerinnen und Schüler, die ihrerseits zunehmend schwer belastet in die Schulen kommen
  • Zunehmender Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ohne wirkliche Unterstützung auf technischer Ebene
  • Zeitdruck, immer und überall angemessen schnell zu reagieren
  • Hohe Arbeitsbelastung dadurch zu lange Arbeitszeiten, die nur schwer in Gänze erfasst werden können

Die Aufzählung ließe sich beliebig lang fortsetzen.

In Hessen ist sowohl die Zahl der verbeamteten und angestellten Lehrkräfte, die ihren Dienst quittierten als auch die Quote von Lehrerinnen und Lehrern, die in Teilzeit arbeiten, im vergangenen Schuljahr gestiegen. Hintergrund dieser Entwicklungen dürfte auch sein, dass die Betroffenen ihre Gesundheit schützen mussten. Somit ist es in unser aller Interesse, die Lehrkräftegesundheit allgemein zu priorisieren und nicht als eine rein private Aufgabe der einzelnen Lehrkraft zu betrachten.

Die Lehrkräftegesundheit könnte mit ein paar kleinen Schritten schon merkbar verbessert werden:

  • Keine Klassenleitung für Lehrkräfte mit einer sehr geringen Stundenzahl
  • Kleinere Klassen: weniger Lärm und Ablenkungen, weniger Arbeit für die Klassenleitung, weniger Korrekturen und somit eine bessere Beziehung zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern, bessere Leistungen derselben, eine höhere Zufriedenheit bei den Lehrenden und Lernenden sowie deren Eltern und ein niedrigeres Stressniveau für alle Beteiligten.

Wir fordern, dass die behördliche Gesundheitsförderung durch Maßnahmen der Steuerfreiheit (nach § 3 Nr. 34 EstG) keine Lippenbekenntnisse ist, sondern unbürokratisch einforderbar sein sollte. Dazu gehören für uns Angebote zum Lehrkräftesport in den einzelnen Schulämtern, die unentgeltlich und in ausreichender Zahl verfügbar sind.

Claudia Vaas-Hennely

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen!

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

 Zwar liegen bereits Gesetze zur Frauenförderung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor – beispielsweise das Hessische Gleichberechtigungsgesetz – dennoch muss noch viel beharrlicher vor Ort und in der Bildungsverwaltung auf die Umsetzung bestanden werden. Dies betrifft im Übrigen nicht nur Frauen, sondern auch Väter, Söhne und Brüder, denn Sorgearbeit ist nicht nur Frauensache.

Ein Mittel, um Informationen über den Sachstand in Ihrem Schulamtsbezirk zu erhalten, sind die Frauenförder- und Gleichstellungspläne des jeweiligen Staatlichen Schulamtes. Damit jede Lehr- sowie Führungskraft sich über die verbindlichen Zielvorgaben und die unterstützenden Maßnahmen zur Zielerreichung informieren kann, sind die Frauenförder- und Gleichstellungspläne einschließlich der Maßnahmenkataloge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer sowie zur geschlechtergerechten Personalentwicklung an jeder Schule auf geeignete Weise bekannt zu machen.

Egal ob Mann oder Frau: Wer in Teilzeit arbeitet, verbaut sich damit oftmals Chancen auf eine berufliche Weiterentwicklung. „Führen in Teilzeit“ ist in vielen Schulformen doch eher die Ausnahme. Neben dem berühmten Karriereknick bringt die Arbeit mit reduzierter Stundenzahl im Alter auch einen klammen Geldbeutel mit sich. Gerade alleinerziehende Elternteile sind von diesem Schicksal am Ende ihrer Dienstzeit betroffen.

Wenn jedoch mehr Männer in Teilzeit gehen (können/wollen) und keinen Karriereknick erleben müssen, dann können Frauen gleichzeitig ihr Arbeitszeitvolumen erhöhen und haben ebenfalls bessere Aussichten auf Karriere und finanzielle Versorgung im Alter. Frauen wenden pro Tag im Durchschnitt 43,8 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Dieser Unterschied wird als ‘Gender Care Gap’ bezeichnet. Indem Männer mehr Sorgearbeit übernehmen, kann auch dies positive Auswirkungen auf eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens haben und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.

Das „Führen in Teilzeit“ möglich ist, belegen Beispiele. Mit einem überaus hohen Prozentsatz sind es jedoch Frauen, die diesen Weg gehen.

Wir fordern daher eine gerechte und faire Bewertung im Arbeitsumfeld durch ein geschlechtergerechtes Beurteilungssystem. Es ist höchste Zeit, dass wir die Leistungen von Frauen und Männern gleichermaßen würdigen, ohne durch traditionelle Arbeitszeitmodelle oder Rollenstereotype beeinträchtigt zu werden. Eine moderne und gerechte Beurteilung muss die Vielfalt der Erwerbsbiografien und die unterschiedlichen Formen beruflicher Leistung anerkennen.

Schauen Sie doch einmal in den Frauenförder- und Gleichstellungsplan an Ihrer Schule und fordern Sie die Maßnahmen ein, die dort aufgeführt sind, um Ihnen ein berufliches Fortkommen bzw. die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Dieser Plan gilt nicht nur für Frauen! Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir unterstützen Sie auch gerne in diesem Bereich!

Die systemgerechte Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten muss mit Nachdruck weiterhin verfolgt werden. Noch besteht keine angemessene Versorgung im Alter. Kindererziehung und Pflege sind wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben! Aus diesen und vielen anderen frauen- und familienpolitischen Gründen sind auch Frauen aus den dlh-Verbänden Mitglied in der dbb Frauenvertretung, die für die arbeits-, gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Interessen von Frauen gegenüber Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern im öffentlichen Dienst sowie Landespolitikerinnen und -politikern eintritt.

Wir beklagen uns über Lehrkräftemangel, zwingen aber gleichzeitig Frauen und Männer ihre Elternzeit zu verlängern, weniger zu arbeiten als sie eigentlich möchten, weil nicht ausreichend Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die mit uns um Fachkräfte konkurrierende Wirtschaft. Je größer der Mangel wird, desto mehr lassen sich die Verantwortlichen im Personalmanagement einfallen. Eine nachahmenswerte Idee sind Betriebskindergärten. Das Land Hessen präsentiert sich gerne als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“, tut hier aber noch zu wenig für die Lehrkräfte.

Daher unsere Forderung: Überall dort, wo viele Lehrkräfte unterrichten, in großen Schulzentren und/oder dort, wo viele Schulen im Umfeld liegen, sind Betreuungsmöglichkeiten einzurichten. Dadurch sind Familien nahe beieinander, können mehr wertvolle Lebenszeit gemeinsam verbringen und Eltern sind im Notfall schneller erreichbar. Und dem Land Hessen stehen so mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung und vor allem motiviertere, weniger gehetzte Lehrkräfte!

Ein familienfreundlicher Arbeitgeber darf sich nicht nur als solcher bezeichnen, er muss auch einer sein.

Deshalb fordern wir:

  • Konsequente Umsetzung der Frauenförder- und Gleichstellungspläne!
  • Geschlechtergerechtes Beurteilungssystem!
  • (Höhere) Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten auf Rente/Pension!
  • „Betriebskindergärten“ für Kinder von Lehrkräften!

Monika Otten, glb-Landesvorsitzende

Vielfalt statt „Eine für alle!“ – Differenziertes Schulsystem erhalten!

Einheitsschule. Einheitslehrkraft. Einheitsbrei. STOPP!

Ein Plädoyer für das differenzierte Schulsystem

Unsere Schülerinnen und Schüler sind so vielfältig wie unsere Schulen.

Das differenzierte Schulsystem bietet eine Vielzahl von Schulformen, die aufeinander abgestimmt sind und den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, entsprechend ihrer individuellen Lern- und Leistungsfähigkeit gefördert zu werden.

Wir plädieren für die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung, um sicherzustellen, dass jedes Kind die passende Förderung erhält. Die aktuelle Beliebigkeit bei der Schulwahl führt oft dazu, dass Kinder überfordert sind und letztendlich scheitern.

Inklusion ist wichtig, sollte jedoch immer im Sinne des Kindeswohls erfolgen. Um Inklusion erfolgreich umzusetzen, benötigen wir mehr personelle und räumliche Ressourcen. Aber auch Förderschulen spielen weiterhin eine große Rolle, um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Denn der inklusive Unterricht sowie das inklusive Setting sind nicht für alle Kinder und Jugendliche passgenau.

Unser Ziel ist es, allen Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Bildung zu bieten und ihnen einen erfolgreichen Übergang in die Berufswelt zu ermöglichen.

Berufliche Schulen bieten verschiedene Bildungsgänge an, um individuelle Förderung zu gewährleisten. Ein differenziertes Schulsystem ist entscheidend für einen guten Start ins Berufsleben.

Daher setzen wir uns für die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung, eine am Kindeswohl orientierte Inklusion und eine begabungsgerechte Förderung aller Schülerinnen und Schüler ein – denn Vielfalt braucht Vielfalt in unseren Schulen!

Britta Bergmann, Mireille Kadel, Tina Horneff