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Antworten für Hessens Lehrkräfte

Pressemitteilung des dlh vom 12.04.2024: Arbeitsbelastungen bei Lehrkräften reduzieren und fokussieren!

Anlässlich des Wiederbeginns des Unterrichts in Hessen am kommenden Montag nach drei Wochen Osterferien konstatiert der Vorsitzende des Deutschen Lehrer-verbandes Hessen (dlh), Boris Krüger: „Endlich einmal hatten die Kolleginnen und Kollegen in diesen Ferien die reelle Chance, sich wirklich zu erholen. Doch dieser Erholungseffekt wird leider schon sehr bald wieder verpufft sein.“

Ursächlich hierfür sind die Belastungen und Anforderungen für Lehrkräfte, welche in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen haben. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo vorantreiben, Lernrückstände aus der Corona-Pandemie aufholen und eine steigende Zahl von Geflüchteten in die Schulen integrieren. Zudem hat sich das Verhalten der Schülerinnen und Schüler seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich verändert: Es ist eine deutliche Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen zu verzeichnen, verbunden mit aggressivem Verhalten sowie zahlreichen psychischen Problemen. Verschärft wird dies alles durch den stetig steigenden Lehrkräftemangel.

Mehrere Umfragen zeigen alarmierende Folgewirkungen für die Lehrkräfte. Die Mehrheit von ihnen empfindet sich selbst und ihre Kollegien derzeit als stark oder sehr stark belastet. Für mehr als drei Viertel ist Wochenendarbeit zur Regel geworden. Über die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer leidet häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Fast 50% kämpfen mit innerer Unruhe und Nackenschmerzen, während ein Drittel unter Schlafstörungen leidet. Mehr als jede zehnte Lehrkraft erwägt, weniger zu arbeiten. Denn neben dem Kerngeschäft „Unterricht“ gibt es im Alltag täglich eine Fülle an zeitintensiven Aufgaben, die mit Pädagogik und Didaktik wenig zu tun haben und viel mehr unter die Rubriken „Bürokratie“ und „Zusatzbelastung“ fallen.

Boris Krüger fordert daher: „Die Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler muss wichtiger sein als das strikte Erfüllen der Lehrpläne. Und die Tätigkeit der Lehrkräfte muss endlich auf das Wesentliche fokussiert werden, nämlich auf das Unterrichten. Alle anderen Aufgaben müssen entweder adäquat mit Stunden entlastet oder von externem Personal übernommen werden.“

Mail:            Mobil: 0151 42341192

Kassel, den 12.04.2024

 

Pressemitteilung als pdf-Download:

2024_04_12 Pressemitteilung Arbeitsbelastung

Arbeitsbelastung spürbar reduzieren!

Arbeitsbelastung

Reduzieren. Entlasten. Fokussieren.

Wer kennt es nicht: Es ist Mittwochabend, 20:30 Uhr. Der Tag war lang, die Gesamtkonferenz hat wieder einmal den zeitlichen Rahmen gesprengt, die eigenen Kinder waren wieder die letzten, die aus dem Kindergarten abgeholt wurden. Nach dem Einkaufen, Abendessen und Zu-Bett-Bringen des Nachwuchses ist endlich Zeit für den Schreibtisch.

Die letzte Englisch-Arbeit der Klasse 6c muss noch korrigiert, der Unterricht für den morgigen Tag vorbereitet werden und der Blick fällt auf den Kalender. Nächste Woche sind die Förderpläne fällig. Morgen will sich das Klassenteam mit der Förderschullehrkraft zusammensetzen. 4 Kinder mit vorbeugenden Maßnahmen, 3 Kinder mit inklusivem Beschulungsstatus. Für alle gilt es die Förderpläne fortzuschreiben. Beim Blick in die Dienstmails ploppen 5 Mails von Eltern auf.

Die Schulleitung will am Freitag eine Dienstbesprechung im Anschluss an den Unterricht durchführen. Der Konrektor teilt mit, dass morgen Lehrkräfte zu Vertretungszwecken einspringen müssen. Die Freistunde ist hin.

Am Freitag hat sich die Schulpsychologin angekündigt. Im Lehrkräftekalender liegen noch zwei Beobachtungsbögen für Schüler, die gerade medikamentös eingestellt werden, die ausgefüllt werden müssen. Dringend geschrieben werden müssen auch noch zwei schriftliche Missbilligungen wegen einer mutwillig verstopften Schultoilette.

Die Belastungen und Anforderungen im Schulalltag haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Lehrkräftemangel haben in deutschen Schulen tiefe Spuren hinterlassen.

Mehrere Umfragen zeigen inzwischen eine alarmierend hohe Arbeitsbelastung bei Lehrkräften. Eine überwältigende Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen empfindet das Kollegium und sich selbst derzeit als stark oder sehr stark belastet. Für mehr als drei Viertel der Lehrkräfte ist Wochenendarbeit zur Regel geworden, und die Möglichkeit zur Erholung in der Freizeit ist für die Mehrheit kaum noch gegeben. Diese hohe Arbeitsbelastung bleibt nicht ohne Folgen: Über die Hälfte der Lehrkräfte leidet häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Fast die Hälfte der Lehrkräfte kämpft mit innerer Unruhe und Nackenschmerzen, während ein Drittel unter Schlafstörungen leidet.

Neben dem Kerngeschäft „Unterricht“ gilt es im Alltag täglich eine Fülle an Aufgaben, die wir bewältigen müssen, die mit Pädagogik und Didaktik aber wenig zu tun haben und viel mehr unter die Rubriken „Bürokratie“ und „Zusatzbelastung“ fallen. Dabei ist ein Abbau dieser Aufgaben dringend notwendig, damit genug Zeit für guten Unterricht bleibt.

Angesichts des Lehrkräftemangels und dieser belastenden Situation erwägt mehr als jede zehnte Lehrkraft, im kommenden Schuljahr weniger zu arbeiten. Lehrkräfte stehen zudem enorm unter Druck. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo vorantreiben, Lernrückstände aufholen, einen Fachkräftemangel bewältigen und eine steigende Zahl von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen sowie aus anderen Krisengebieten in die Schulen integrieren. Fast alle Lehrkräfte sind der Ansicht, dass seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 negative Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler zugenommen haben. Tatsächlich ist eine deutliche Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen zu verzeichnen, verbunden mit aggressivem Verhalten bei den Schülerinnen und Schülern. Hilfsangebote für die Kinder und Jugendlichen, beispielsweise in Form von Schulsozialarbeit, müssen vermehrt in Anspruch genommen werden. Dies betrifft besonders Schulen, in denen mehr als die Hälfte der Schülerschaft eine andere Familiensprache als Deutsch spricht. Aufgrund von Personalmangel und Bildungsferne in den Haushalten erhalten die Schülerinnen und Schüler derzeit nicht die notwendige Unterstützung, um vorhandene Lernlücken zu schließen.

Wir sind der Meinung, dass die Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler wichtiger sein sollte als das strikte Erfüllen der Lehrpläne. Obwohl wir als Lehrkräfte aus Überzeugung unseren Beruf ausüben, sind wir dennoch mit den Herausforderungen und hohen Belastungen konfrontiert. Dennoch sollten wir daran arbeiten, diese Situation zu verbessern

Was wir brauchen, damit wir nicht unter der zunehmenden Arbeitsverdichtung zusammenbrechen:

  • Reduzierung der Aufgaben auf das Wesentliche: Zeit für guten Unterricht!
  • Klassen- und Kursteiler um 20 % senken!
  • Kooperationsstunden für inklusives Arbeiten!
  • Förderung des psychischen Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler in den Fokus stellen anstatt der strikten Erfüllung der Lehrpläne!
  • Übertragung der Verwaltungs- und Organisationsaufgaben auf Verwaltungsfachkräfte!
  • Recht auf voraussetzungslose Teilzeitanträge bis zu einer Reduzierung von 4 Stunden!
  • Mehr förderpädagogische, psychologische und sozialpädagogische Ressource zur Unterstützung der Lehrkräfte der allgemeinen Schule!
  • Abbau von Bürokratie und ein Ende der Konzeptflut!
  • Erhöhung der Schuldeputate!
  • Wiedereinführung der Altersteilzeit!
  • Korrekturtage für Abschlussprüfungen!
  • Professionellen IT-Support für alle Schulen!
  • Reduzierung der Wochenarbeitszeit!

Claus Eschenauer, Kerstin Mück