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dlh-Info 1-2020

Meidinger: Schlecht qualifizierte Seiteneinsteiger vor Klassen zu stellen, „ist ein Verbrechen an den Kindern“

 

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, hat eine unzureichende Qualifizierung von Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf kritisiert. Vielerorts würden Menschen, die zwar ein erfolgreich beendetes Hochschulstudium, aber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium aufweisen, ohne qualitätssichernde Vorgaben auf Schüler losgelassen. Die sei „ein Verbrechen an den Kindern“, sagte Meidinger der Tageszeitung „Die Welt“. „Innerhalb von zwei Wochen Uni-Absolventen, die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben, per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, das ist doch absurd.“ Das zeige, wie gering die notwendige Berufsprofessionalität der Lehrerschaft von der Politik geschätzt werde.

Laut einer aktuellen Erhebung der „Rheinischen Post“ lag bei den Neueinstellungen in den Schuldienst der Anteil derjenigen ohne pädagogische Qualifikation zum Schuljahresbeginn im Bundesdurchschnitt bei rund 16 Prozent – allerdings seien die Unterschiede gewaltig. Sie schwanken dem Bericht zufolge zwischen 61 Prozent (Berlin) und vier Prozent (Rheinland-Pfalz). Westdeutsche Flächenländer liegen der Abfrage unter den 16 Kultusministerien der Länder zufolge zwischen neun (Hessen) und zwölf Prozent, die meisten ostdeutschen Länder kommen dem Bericht zufolge auf Werte um 30 Prozent, Sachsen jedoch auf 50 Prozent. Bayern und das Saarland kommen bislang ohne Seiteneinsteiger aus.

Vielerorts, so Meidinger, würden Seiteneinsteiger ohne alle qualitätssichernden Vorgaben auf die Schüler losgelassen. In den Ländern, wo der Mangel am größten sei, beispielsweise in Berlin und vielen östlichen Bundesländern, hätten die Ministerien oft gar kein Interesse, dass die Seiteneinsteiger erst mal ordentlich ausgebildet würden, weil sie dann nicht gleich voll in die Unterrichtsversorgung gesteckt werden könnten, vermutet Meidinger. „Dazu kommt, dass es für die Seiteneinsteiger keine ausreichende Zahl von Ausbildungslehrern gibt.“

Außerdem habe der Lehrermangel in einigen Regionen bereits ein solches Ausmaß angenommen, dass dort eigentlich jeder Kandidat in den Schuldienst durchgewunken werde. Der DL-Präsident kritisiert dies heftig: „Selbst diejenigen, die am Ende durchfallen, bekommen hinterher eine unbefristete Stellte im Lehramt.“

 

dlh-Kreisverband Kassel                                                       dlh-Kreisvorsitzender Boris Krüger