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Chance oder Gefahr? Mögliche Auswirkungen von KI auf Schule und Unterricht – eine Fortbildung am 18. April 2024 in Kassel

„Es wird angesichts der rasanten Entwicklung von KI eine Renaissance der mündlichen Prüfungen an den Schulen geben.“ Mit diesem Statement beendete Prof. Dr. David-S. Di Fuccia, Leiter der Chemie-Didaktik an der Universität Kassel und Mitglied im Vorstand des Deutschen Philologenverbandes, seinen 75minütigen Vortrag zu den Auswirkungen von KI auf Schule und Unterricht.

Der Einladung des dlh-Kreisverbandes Kassel und des hphv-Bezirks Nordhessen waren insgesamt knapp 20 Lehrkräfte gefolgt und in der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule zusammengekommen. Zusätzlich verfolgten in einem Livestream 12 Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet den Vortrag und die anschließende Diskussion. Dies war damit die erste Hybrid-Veranstaltung  von dlh und hphv.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den dlh-Kreisvorsitzenden und hphv-Bezirksvorsitzenden Boris Krüger erläuterte Professor Di Fuccia zunächst die Grundlagen für den Einsatz von KI in der Schule:

– digitale Endgeräte

– eine stabile Internetverbindung

– die Klärung von Urheberrecht und Datenschutz.

Allein an einem der drei Faktoren scheitere an den meisten Schulen der flächendeckende Einsatz im Unterricht.

Im Folgenden setzte sich Professor Di Fuccia in gewohnt humorvoller und informativer Weise mit den Auswirkungen von KI in der Schule zum einen auf die Schülerinnen und Schüler und zum anderen auf die Lehrkräfte auseinander. Letztere könnten diese für die Diagnostik, die Unterstützung der Unterrichtsplanung, Vorarbeiten bei der Korrektur und die Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben nutzen. Zudem könnten sie mit Hilfe von KI Unterrichtsmaterial, Differenzierungsmaterial und ganze Unterrichtsreihen erstellen. Allerdings seien die Vorschläge der KI häufig wenig innovativ.

In seinem Resümee stellte Professor Di Fuccia fest, dass die Frage des Umgangs mit den genutzten und gelieferten Daten unklar bleibe. Fachliche Defizite der KI hingegen könnten durch eine vermehrte Nutzung schnell behoben werden. Hier könnte sich ein „Wikipedia-Effekt“ einstellen, der zu immer elaborierteren Ergebnissen führen würde.

Auf die schulischen Prüfungen bezogen bedeute der immer stärkere Einsatz von KI, dass alle Prüfungsformen, deren Grundlagen ohne Aufsicht gefertigt werden wie z.B. Facharbeiten, Referate oder Präsentationsprüfungen im Abitur, auf Dauer eingestellt werden müssten. Einen Aussagewert hätten in Zukunft nur noch Klausuren und vor allem mündliche Prüfungen. Diese praktiziert Professor Di Fuccia deswegen schwerpunktmäßig in seinem eigenen Unterricht an der Universität.

Im Anschluss gab es viele interessierte Rückfragen der Anwesenden, etwa zum konkreten Einsatz von KI im Unterricht. Nach 90 Minuten endete die Veranstaltung mit viel Applaus und der Übergabe eines kleinen Geschenkes an den Referenten.

Boris Krüger