Angesichts der großen Hitzewellen in den vergangenen zwei Monaten fordert der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) die hessische Landesregierung auf, endlich verbindliche und landesweit einheitliche Regelungen zum Hitzeschutz an Schulen und Kindertagesstätten zu erlassen. Der lose Orientierungsrahmen, den das Land bislang vorsieht, reiche angesichts der gesundheitlichen Belastungen für Schülerinnen, Schüler und Beschäftigte bei Weitem nicht aus. Zudem sollen die Kreise und kreisfreien Städte als Schulträger mit Geldern aus dem Sondervermögen massiv in Maßnahmen zum Hitzeschutz investieren.
„Hohe Temperaturen wirken sich unmittelbar auf Konzentrationsfähigkeit und Lernerfolg aus. Besonders vulnerable Kinder, etwa mit Einschränkungen oder chronischen Erkrankungen, leiden ganz besonders unter der Hitze. Besonders prekär ist die Lage für alle in Containern und schlecht isolierten Gebäuden. Wenn sich Schülerinnen und Schüler über untragbare Bedingungen in den Klassenräumen beschweren, dann zu Recht”, erklärt der dlh-Landesvorsitzende Boris Krüger. „Hitzeschutz ist damit zu einer der zentralen Herausforderungen im Bildungsbereich in Hessen geworden. Wir müssen im nächsten Jahr von Anfang an auf Hitzewellen wie die aktuelle vorbereitet sein und nicht erst dann reagieren, wenn die Temperaturen längst untragbar geworden sind.“
In den Tagen vor den Sommerferien mussten hessenweit neben jüngeren Schülerinnen und Schülern mit hitzefrei auch zahlreiche Kita-Kinder wieder nach Hause geschickt werden, weil es für eine verantwortungsvolle Betreuung schlicht zu heiß war. „Das bedeutet für Familien einmal mehr einen Spagat zwischen Job und Kinderbetreuung”, so Krüger.
Krüger kritisiert in diesem Zusammenhang die Empfehlungen der Landesregierung in dem vor einem guten Jahr überarbeiteten Hitzeaktionsplan als unzureichend: „Wir brauchen verbindliche Vorgaben der beiden zuständigen Ministerien (Soziales sowie Kultus), damit der Hitzeschutz an Kitas und Schulen endlich einem landesweiten Mindeststandard folgt. Nur so können sich die Bildungseinrichtungen frühzeitig und verlässlich auf das kommende Jahr vorbereiten. Eine lose Orientierung an dem allgemeinen Hitzeschutzplan der Landesregierung reicht für Kitas und Schulen nicht aus – dafür sind sie zu stark durch die Hitze beeinträchtigt.“
Der dlh fordert konkret:
- einen verbindlichen, landesweiten Hitzeaktionsplan für Schulen und Kitas mit klaren Mindeststandards und nicht nur mit bloßen Empfehlungen,
- klare Regelungen zu Raumtemperaturen, Sonnenschutz und funktionierenden Lüftungssystemen,
- ausreichend Spielraum für pädagogisches Personal, Unterrichts- und Betreuungssettings kurzfristig an die Witterung anzupassen,
- massive Investitionen der Schulträger in eine langfristige klimaangepasste Schulbau- und Sanierungspolitik sowie in den kurzfristigen Einbau von Klimaanlagen, die wenn möglich direkt mit Solaranlagen kombiniert werden sollten.
„Hitzeschutz ist kein Luxusthema, sondern eine Frage des Gesundheitsschutzes und der Bildungsgerechtigkeit. Wir erwarten von der Landesregierung und den Schulträgern, dass sie jetzt handeln – und nicht erst, wenn die nächste Hitzewelle schon da ist“, so Krüger abschließend.
Kassel, den 30.07.2026
Boris Krüger, Kontakt: 0151 42341192

