Warum werden gleichwertige
Leistungen unterschiedlich bezahlt?

Antworten für Hessens Lehrkräfte

Erziehung ist zuallererst Elternsache.

Es lässt sich nicht wegdiskutieren: unsere Schülerschaft hat sich verändert, genauso wie sich das klassische Familien-Modell verändert hat. Der Einfluss einer multimedialen Gesellschaft spielt in der Sozialisation unserer nachfolgenden Generationen eine ebenso große Rolle wie auch der Trend zu Doppelverdiener-Haushalten und Patchwork-Familien. Leichter ist Erziehung dadurch weder im familiären noch im schulischen Kontext geworden.

Immer häufiger wird die Sozialisation eines Kinders seitens der Elternhäuser aus Mangel an Zeit (aber auch leider manchmal an Interesse/Geduld/Vorwissen) an Kindertagesstätten und Schulen weitergegeben. Doch das Kerngeschäft sollte in beiden Bildungseinrichtungen eigentlich ein anderes sein: ein pädagogisch-erziehliches. Konkret: Heranwachsende sollen üben, sich innerhalb kleineren oder größeren Gruppen zurechtzufinden, spielerisch das Zusammenarbeiten mit anderen trainieren und dabei einen Wissenszuwachs auf ganzer Linie verzeichnen. In der Theorie gut und schön, in der Praxis oft erstmal unmöglich. Immer häufiger stoßen wir auf Mädchen und Jungen, die „Inseln“ zu sein scheinen. Sie sehen nur sich, ihre Bedürfnisse und nicht das große Ganze. Zum einen werden Kinder immer früher mit den zahlreichen Unterhaltungsmedien konfrontiert, die das Interesse an Gleichaltrigen deutlich abnehmen lassen. Oder aber man verabredet sich zum gemeinsamen Medienkonsum. Dabei kommt das klassische Spiel, das immer schon nebenbei Regeln und Grenzen im Umgang miteinander trainierte, immer häufiger zu kurz. Zum anderen fehlt Kindern, die ganztägig in der KiTa oder der Schule verbleiben, die elterliche Erziehung. Nicht selten soll „die Zeit danach“ eine sogenannte „Qualitytime“ sein, in der man nur schöne Erlebnisse haben möchte. Einerseits ein schöner Gedanke, aber leider kein Erprobungsraum für die Leitplanken der Sozialisation, denn Konflikte soll es ja nicht geben. Wird die Zeit außerhalb von Kindergarten und Schule auch noch in zwei Familienwelten verbracht (Patchwork), so wird eine klare, erziehliche Linie nicht einfacher; zu viele Personen sind in unterschiedlichem Maße beteiligt.

Wir kämpfen darum, dass Erziehung wieder zuallererst Elternsache wird! Wie?

  • Eltern müssen wieder mehr in die Verantwortung genommen werden! Zum Beispiel durch klare Erziehungsvereinbarungen und schriftliche Verträge mit den Schulen, bei deren Nicht-Einhaltung die Konsequenzen transparent und umsetzbar sind.

  • Schulen sollen wieder mehr zum Lernort werden! Bildung und pädagogisches Handeln sind das Kerngeschäft für Lehrkräfte. Dabei bedarf es Rückhalt und Vertrauen in die Arbeit der Schulen durch die Eltern.

  • Inflationäre Förderkurse sind vermeidbar! Im Grundschulbereich muss auch am Nachmittag im familiären Rahmen ein Üben für die Schule möglich sein. Bei der Wahl der weiterführenden Schule sind Förderpläne und Förderkurse (letztere sind eine Zusatzbelastung für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gleichermaßen) vermeidbar, wenn die Schulwahl sich am Leistungsvermögen des Kindes orientiert.

  • Förderpläne sind sinnfrei und nicht zielführend, wenn sie nur auf dem Papier existieren und nicht gelebt werden! Ein inflationäres Einfordern von Papierleichen hilft weder der Schüler-, Eltern- noch der Lehrerschaft im Alltag. Dann doch lieber – wenn nötig – konkrete Vereinbarungen im gemeinsamen Gespräch treffen und schriftlich festhalten.

  • Flächendeckende Einführung von Schulgesundheitsfachkräften! Pflasterkleben, Kühlakkureichen, Tränentrocknen und Eltern-hinterher-telefonieren bindet nicht selten wertvolle Zeit von Lehrkräften. Wir machen das (bisweilen) gern, aber meist entfällt dadurch ein Pausengespräch mit Kolleginnen und Kollegen, ein Austausch mit pädagogischen Fachkräften oder einfach nur eine kurze Erholungsphase.

Wir erziehen gerne. Aber noch lieber unterrichten wir! Das ist „unser Ding“ und wir setzen uns dafür ein, dass der Fokus wieder auf unser Kerngeschäft der Pädagogik gelenkt wird.

Wir kämpfen gemeinsam:

HPhV – Hessischer Philologenverband e. V.

 

glb – Gesamtverband der Lehrer an beruflichen Schulen e. V.

 

VDL – Verband der Lehrer an Grund-, Haupt-, Real-, Förder- und Gesamtschulen in Hessen